Auszug
Möglichkeiten Und Grenzen Der Wirtschaftsdemokratie - Der Fall Hoppmann**
Wir leben in nichts als in verwirklichten Utopien. Eine Utopie ist nichts als die Wirklichkeit von morgen. (Frani Oppenheimer: Weder Kapitalismus noch Kommunismus. 1931/1962)
1. ProblemstellungMtbestimmung ist in der Defensive. Sie wird diskutiert, aber ohne Perspektive. Die neuere mikroökonomische Literatur attestiert - im Gegensatz zu früheren, eher dogmatischen Positionen - der Mtbestimmung transaktionskostensenkende und produktivitätsfördernde Effekte und belegt das auch mit empirischen Befunden (z.B. Frick 1997). Dabei drängt sich allerdings die Frage auf, ob - wenn diese Befunde negativ ausfielen - die Mitbestimmung abgeschafft gehörte. Letztlich wird Mtbestimmung bei dieser Sichtweise nicht anders verstanden als Partizipationsangebote moderner Managementkonzepte, die man einführen kann, um die Produktivität zu erhöhen, die man aber auch wieder abschaffen kann. "Die Demokratie wird ihrer Gewinndifferentiale wegen strategisch eingesetzt, während ihre eigensinnige Logik zur Seite geschoben wird" (Demirovic 2007, 75). Mtbestimmung ist jedoch im Verlaufe der deutschen Geschichte nicht primär als wirtschaftlich nützliches Instrument verteidigt oder gar eingeführt worden. Diese Perspektive, die die Epoche nach 1945 prägte, ist allerdings heute weitgehend verschüttet. An ihr soll in diesem Aufsatz aber angeknüpft werden.In gesamtwirtschaftlicher und politischer Sicht wird - z. B. von der Kommission Mtbestimmung der Bertelsmann Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung - Mtbestimmung als integraler Bestandteil des "deutschen Entwicklungspfades" gewürdigt, das den Strukturwandel zu bewältigen hilft, eine auf vertrauensvoller Zusammenarbeit basierende Unternehmenskultur hervorgebracht habe und die damit verbundenen Aufwendungen in rentierliche Humankapitalinvestitionen verwandelt hat. (Dieser) Entwicklungspfad, dem die Mtbestimmung seither gefolgt ist, lässt sich mit produktivitätsorientiertem Co-Management, Konsensorientierung, Professionalisierung und zunehmender Entfernung von außerhalb der Unternehmen angesiedelten Gewerkschaftsinteressen beschreiben (vgl. Höppner 2004, 370). Die Perspektiven der Mtbestimmung werden dann im Sinne einer "kooperativen Modernisierung" primär darin gesehen, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Modells durch Beteiligung, Information und Kooperation mit Arbeitnehmern zu stärken. Mtbestimmung wäre somit ein konstitutives Element einer sich evolutionär entwickelnden Volkswirtschaft, die sich im Rahmen der Anforderungen des Marktes entfaltet. Erstaunlich an dieser Bescheidung des Mtbestimmungsanspruchs ist, dass gerade wegen ihrer Bewährung im Sinne ökonomischer Produktivität "nicht für eine weitere Stärkung der Produktivkraft Demokratie und die Erweiterung und Vertiefung der Beteiligungsrechte argumentiert wird" (Demirovic 2007, 74). Da diese Perspektive verloren gegangen ist, soll im Folgenden statt der ökonomischen Wirkungen der Mtbestimmung die demokratietheoretische, also politische Forderung nach Wirtschaftsdemokratie, wie sie sich im besonderen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts und dann wieder unmittelbar...Siehe den Gesamtinhalt dieses Dokumentes

