Mutterschutzbedingte Reorganisationskosten Des Arbeitgebers - Eine International Vergleichende Analyse Gesetzlicher Schutzbestimmungen**

Zeitschrift für PersonalforschungBand 18 Nr. 4, Oktober 2004

Angeknüpft als:

Zusammenfassung


Provisions for maternity leave are common among industrialized countries, but their institutional design varies distinctly. In our theoretical analysis, we argue that the costs of reorganization in response to maternity leave will not simply increase with its duration, but will instead be hump-shaped displaying a maximum at medium leave duration. More than duration per se, however, the predictability of leave duration will influence the costs of reorganization. The theoretical discussion is followed by an international comparison of maternity leave regulations in the U.S., the Netherlands, Germany, Great Britain, Denmark and Japan.

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Auszug


Mutterschutzbedingte Reorganisationskosten Des Arbeitgebers - Eine International Vergleichende Analyse Gesetzlicher Schutzbestimmungen**

1. Einleitung:

Zur Relevanz mutterschutzbedingter Reorganisationskosten

In fast jedem Land der Welt existieren Regelungen zum Mutterschutz, die den Anspruch von Frauen auf eine zeitlich begrenzte Freistellung von ihrer Arbeit rund um den Zeitpunkt der Geburt eines Kindes und ihr Recht auf Rückkehr an diesen oder einen vergleichbaren Arbeitplatz nach Ablauf der Freistellungsfrist regeln. Im Detail unterscheiden sich die Regelungen in den einzelnen Ländern jedoch erheblich: So beträgt beispielsweise die maximale Gesamtdauer der Freistellungen wegen Krankheit, Geburt oder der Pflege von Angehörigen in den USA 12 Wochen innerhalb eines Jahres. In Großbritannien hingegen ist eine mutterschaftsbedingte Freistellung von bis zu 40 Wochen möglich, ohne dass hierbei krankheitsbedingte Abwesenheiten in Anrechnung gebracht würden.

In der vorliegenden Literatur wird an vielen Stellen diskutiert, welche Wirkungen solche Schutzregelungen für Frauen auf deren Arbeitsmarktposition, z.B. auf die Erwerbsbeteiligung und die Größe geschlechtsspezifischer Lohndifferentiale, haben.1 In Deutschland ist diese Diskussion besonders aktuell: Das Bundesverfassungsgericht urteilte im November 2003, dass die deutschen Mutterschutzregelungen nicht mehr verfassungsgemäß seien. Da die Regelungen zu den Lohnersatzleistungen, insbesondere zu dem sog. Arbeitgeberzuschuss, den Arbeitgebern wesentliche Kosten des Mutterschutzes aufbürdeten, führten sie - so das Bundesverfassungsgericht - potentiell zu einer Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, die mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht vereinbar sei. Der Gesetzgeber wurde daher verpflichtet, bis Ende 2005 eine andere, verfassungskonforme Regelung zu erlassen. Diese Auffassung des Gerichts entspricht im Wesentlichen bereits früher vorgelegten ökonomischen Analysen der deutschen Regelungen zur Finanzierung der Lohnersatzleistungen bei Mutterschutz.2

Neben dem vom Bundesverfassungsgericht angesprochenen Arbeitgeberzuschuss zu den Lohnersatzleistungen bei Mutterschutz bzw. den Beiträgen zum Umlageverfahren U2 für Kleinbetriebe entstehen jedoch weitere mutterschutzbedingte Kosten auf Seiten des Arbeitgebers. Die vorliegenden theoretischen wie empirischen Analysen dieser Kosten im internationalen Vergleich konzentrieren sich dabei insbesondere auf die Kosten des mit einer Freistellung verbundenen Humankapitalverlustes.3 Die international variierende Länge der Schutzfrist wird als Indikator für das Ausmaß dieses Humankapitalverlustes herangezogen: Je länger die Mutterschutzfrist, so die Hypothese, desto höher der Humankapitalverlust und die arbeitgeberseitigen Kosten des Mutterschutzes ...

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