Kulturelle Konflikte in Deutsch-Chinesischen Joint-Ventures: Dargestellt Am Beispiel Der Einführung von Konzepten Der Personalführung**

Zeitschrift für PersonalforschungBand 19 Nr. 2, April 2005

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Zusammenfassung


This study focuses on German-Sino joint ventures and investigates how communicative conflicts result from different cultural concepts of reality construction. In our paper, we firstly develop a conceptual reference framework for this question. The empirical investigation is based on a number of case studies from German-Sino company co-operations. These cases show primarily the attempts of the German management to influence the performance of Chinese employees through management and personnel concepts, such as staff assessment or incentive systems in order to achieve business targets. It is shown that in doing so, German management implicitly assumes cultural logics and standards, concerning for example how organisations operate or how members behave in China. These assumptions do not automatically correspond to the actual patterns of behaviour, thinking and feeling of the Chinese employees. This results in a lack of understanding on both sides and culminates in conflicts.

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Auszug


Kulturelle Konflikte in Deutsch-Chinesischen Joint-Ventures: Dargestellt Am Beispiel Der Einführung von Konzepten Der Personalführung**

1. Einführung

In praktischen Zeugnissen aus der Kooperation mit chinesischen Unternehmungen wird inimer wieder betont, dass die Bedingungen für nachhaltigen und wechselseitigen geschaftlichen Erfolg in diesem Land schwer zu kalkulieren sind (Graham/Lam 2004). Eine Reihe von Studien zeigt, dass der unreflektierte Umgang mit Konflikten eine der Hauptursachen dafur ist und sogar zum Scheitern von Joint-Ventures beigetragen hat (Lane/Beamish 1990; Strutton/Pelton 1997; Lin/Germain 1998). Wir knupfen an diese Uberlegungen an und mochten die Ursachen dafur genauer ausleuchten (Schädler/Freimuth 2005).

Basierend auf Ergebnissen aus der Konfliktforschung gehen wir davon aus, dass Konflikte ihre Ursachen in der widersprüchlichen Wahrnehmung und Bewertung von Problemen haben (z.B.: Simon 2001; Fiedler 2004). Es liegt nahe, in internationalen Kooperadonen diese Differenzen auch auf die jeweiligen kulturellen Hintergründe zuriickzufuhren, die fur die Beteiligten relativ geschlossene Sinnwelten darstellen und ihre Interaktionen leiten. Wir interpretieren Kultur aber auch in dynamischer Weise als Wechselwirkung zwischen ihren Oberflachen- und Tiefenstrukturen, zwischen Routinen, Ritualen etc. und darunter liegenden Grundannahmen iiber die Wirklichkeit. Letztere machen den Kern der kulturellen Identitat aus, die aber an der Oberfläche unterschiedliche Formen ausbilden kann. Die Differenzierung erlaubt es, interkulturelles Verstandnis und Wandel zu begreifen, der etwa durch die Begegnung unterschiedlicher Kulturen ausgelöst wird, zugleich aber auch kulturelle Bewahrung und Identitat, die sich in den Grundannahmen und Werten ausdruckt. Diese können sich allerdings als sehr hermetisch erweisen, etwa wenn sich in komplexen Kooperationen die kommunikativen Gemeinsamkeiten an den kulturellen Oberflachen erschopfen und es zu Konflikten kommt. Was sich an der Oberfläche als Unterschiedlichkeit im Kommunikationsstil zeigt, erweist sich vielleicht als fundamentale Differenz in der Logik der jeweiligen Konzepte von Zeit oder Ordnung. Die Partner werden so gleichsam auf ihre grundlegenderen kulturellen Muster zurückgeworfen und verharren dort, gerade wenn auf die Entwicklung eines tieferen Bezugsrahmens keine Aufmerksamkeit gerichtet und die Beziehung, besonders am Anfang, nicht systematisch entwickelt wurde. Kommunikation und Kooperation erfahren dann Beeintrachtigungen, Missverständnisse werden ausgelöst und das Klima der Zusammenarbeit verschlechtert sich. Wenn also in der Kommunikation zu schnell und zu abrupt die jeweiligen Tiefenstrukturen der Kulturen zur Disposition gestellt werden, erweisen sie ihre Konservativität und bilden die Ursache fur Konflikte.

Wir wollen in unserer Studie darlegen, wie diese konfliktreichen Schließungen durch unterschiedliche kulturelle Konzepte der Konstruktion von Realität ausgelöst werden. Dabei beziehen wir uns empirisch auf eine Reihe von Fallbeispielen aus deutsch-chinesischen Unternehmenskooperationen. Wir konzentrieren uns auf Versuche des deutschen Managements, das Leistungsverhalten chinesischer Arbeitnehmer mit Führungs- und Personalsys...

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