Die Vw-Affäre - Lehrstück Zu Den Risiken Deutschen Co-Managements?**
Industrielle Beziehungen › Band 16 Nr. 3, Juli 2009
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Die Vw-Affäre - Lehrstück Zu Den Risiken Deutschen Co-Managements?**
Im Juni 2005 kam die VW- Affäre ins Rollen: Einige Spitzenrepräsentanten der Belegschaft von Volkswagen um den Gesamtbetriebsrats Vorsitzenden Volkert hatten jenseits von Recht und Moral über Jahre hinweg im Einvernehmen (zumindest) mit dem Personal vor stand Hartz unstatthafte Privilegien erhalten (irreguläre Gehälter) und Ressourcen des Unternehmens für private Zwecke (Bordellbesuche, Geschenke u.a.) missbraucht. Mehrere Personen wurden in Strafverfahren verurteilt, so Hartz wegen Untreue und Begünstigung von Betriebsräten und Volkert wegen Beihilfe und Anstiftung.
Obwohl es - im Vergleich etwa zu anderen Korruptionsfällen - nur um kleine Schadens summ en ging, hat die Affäre doch enorme Aufmerksamkeit erregt. Dies nicht nur, weil Volkswagen einer der bedeutendsten Konzerne der Bundesrepublik ist und die Affäre sich zeitlich überschnitt mit dem Beginn der Auseinandersetzungen um die herkömmliche Governance struktur des Unternehmens - dem Streit um das VWGesetz und die mögliche Übernahme durch Porsche. Die Affäre zog auch große Aufmerksamkeit auf sich, weil Volkswagen gleichsam Modell für ein Muster der Beziehungen zwischen Management und betrieblichen Interessenvertretungen durch Betriebsräte stand, das sich in den letzten Jahrzehnten in großen deutschen Unternehmen verbreitet hat und oft als "Co -Management" bezeichnet wird. Als seine wichtigsten Elemente gelten, dass 1. die Betriebsräte, weit über ihre gesetzlichen Mitbestimmungsrechte hinaus, an den zentralen strategischen und operativen Unternehmensentscheidungen beteiligt werden, 2. Management und Betriebsrat gemeinsame betriebliche Interessen verfolgen, aber zugleich ihre gegensätzliche Interessen anerkennen und 3. beide Seiten Konfrontationen vermeiden und kompromisshafte Lösungen suchen. Dieses Muster ist gleichsam zum Inbegriff erfolgreichen Ausgleichs von Unternehmens- und Beschäftigteninteressen im System der deutschen Arbeitsbeziehungen geworden.Die Affäre schien nun die enge sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen einem mächtigen Unternehmen und einer mächtigen betrieblichen Interessenvertretung als Korruptionsverhältnis zu entlarven, als Bestechung, als Kauf des Betriebsrats durch das Management, zumindest aber als Vetternwirtschaft oder Filz.Angesichts der großen medialen Aufmerksamkeit ist überraschend, wie wenig Beachtung die Affäre bislang in der Wissenschaft gefunden hat und insbesondere in jenen Disziplinen, wie Soziologie und Politikwissenschaften, die sich in der Vergangenheit ausgiebig mit Mitbestimmung in Deutschland oder auch speziell mit Governance, Arbeitsbeziehungen und Arbeitspolitiken bei Volkswagen befas st haben. Nur wenige Vertreter haben sich überhaupt zu dem Fall geäußert. Das Feld wurde vielmehr jenen überlassen, die ihn wie der Jurist Michael Adams als willkommene Schützenhilfe für den Beschuss des deutschen Systems der Mitbestimmung nutzten (Adams 2006).Der Fall Volkswagen wirft aber Fragen gerade auch für die sozialwissenschaftliche Mitbestimmungsforschung auf. Ist es ein spezifischer Fall, im "System Volkswagen" angelegt und zudem durch eine einmalige Konstellation von Situationen und Personen hervorgebracht? Oder weist der Fall auf Risiken hin, die im deutschen Mitbestimmungsmodell - genauer: im Muster des Co-Managements - enthalten sind? Damit richten sich die Fragen auch an die wissenschaftliche "Zunft", die sich mit den Industriellen Beziehungen in Deutschland befasst. Wie las st sich der Fall Volkswagen in ihre Befunde einordnen? Wieweit ist ihr Schweigen auch ein Ausdruck ihrer konzeptionellen und empirischen Defizite oder Tabuzonen?Hier gehe ich zunächst davon aus,...Siehe den Gesamtinhalt dieses Dokumentes
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