Effizienz Durch Gerechtigkeit*: Die Sozialhumanistische Lösung Eines Nur Vermeintlich Unvermeidlichen Trade-Off

Zusammenfassung


The discursive search for needful reforms of the welfare-state is upset by the pretended contradiction of justice and efficiency. A fruitful progress leading out of this dilemma depends first on a terminological consensus of what is meant by justice and efficiency. Secondly the reasons for the presumed contradiction are unmasked. The third step remembers the social-humanistic idea of a narrow link between human nature and a developed individual responsibility. The recently by A. Sen proposed capability-approach continues that idea adding a neo-aristotelic legitimisation of social rights, which by the way reanimates the forgotten paradigm of natural law for the economic and ethic context. The pretended contradiction is removed by the pretended symbiosis of justice and efficiency.

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Auszug


Effizienz Durch Gerechtigkeit*: Die Sozialhumanistische Lösung Eines Nur Vermeintlich Unvermeidlichen Trade-Off

1. Einleitung

Die christlich motivierten Väter der Sozialen Marktwirtschaft fordern als gesellschaftspolitisches Ziel einer sozial gerechten Ordnung die vollstàndige Entfaltung der idealen menschlichen Natur ein, das zugleich wirtschaftlichen Erfolg verspricht (vgl. etwa Müller-Armack 1946/1981, Röpke 1979, Rüstow 1957: 509). Sie meinen damit die Natur als normative Vorgabe göttlich vorgegebener Bestimmung, nicht aber die empirisch sichtbare Natur des Menschen. A. Müller-Armack auf evangelischer und J. Messner auf katholischer Seite nennen diese Denkschule einen Sozialhumanismus, dem sie sich selbst zuordnen:

"Es ist der Humanismus, beruhend auf der die wesenhaft gesellschaftliche Natur des Menschen und die fur die Sozialordnung sich daraus ergebenden Forderungen voll einbeziehenden Humanitatsidee" (Messner 1954/2001, vgl. Müller-Armack 1946/1981: 106).

Die Verbindung dieser Idee mit der ordnungspolidschen Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft wurde zunächst vor allem von evangelischer Seite vorangetrieben, doch nach der Abwendung von berufsständischen Ordnungsmodellen bekennt sich inzwischen auch die katholische Soziallehre eindeutig dazu (vgl. Rauscher 1992a und 1992b). Die ausdriickliche Berufung auf ein Naturrecht entspricht dabei der katholischen Tradition, während evangelische Sozialhumanisten dem Ansatz der Normativität in der menschlichen Natur zustimmen, auch wenn dort stärker biblisch argumentiert wird (vgl. Edel 1998, Nass 2005a, Rich 1970). Auf katholischer Seite ist die naturrechtliche Sicht zwar nicht unumstritten. Doch ganz in der Tradition der katholischen Sozialverkändigung forderte etwa J. Ratzinger (1969; 2005) bereits vor seiner Wahl zum Papst beständig eine Wiederbelebung dieser Tradition ein, um subjektivistischen Ansätzen entgegenzutreten (vgl. Nass 2006).

Wenn nun die Menschen ihre (von Gott gegebenen) natürliche Bestimmung entfalten können, so ist dies der sozialhumanistischen Idee entsprechend einerseits gerecht, andererseits stärkt dies die individuelle Eigenverantwortung und erhöht die Effizienz. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Idee in der ordnungspolitischen Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft spricht füir eine zunächst gelungene Implementierung einer solchen Symbiose, die aber inzwischen angesichts zunehmender Arbeitslosigkeit und wachsender Staatsschulden verloren gegangen zu sein scheint (vgl. Kersting 2000c: 15). Ordnungspolitischer Pragmatismus konserviert ohne erkennbares Wertkonzept einmal wohlfahrtsstaatliche Relikte (z.B. hohe Subventionen), ein anderes Mal wird aus Konsolidierungsgründen der marktwirtschaftliche Weg eingeschlagen (z.B. Agenda 2010). In einem solchen Wertevakuum bestimmen Lobbyinteressen schnell das Geschehen. Die Begünstigten wohlfahrtsstaatlicher Umverteilungen etwa fordern 'soziale Gerechtigkeit' ein und sehen in der marktwirtschaftli...

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