Weitere Empirische Einsichten Zum Thema: Betriebliche Interessenvertretung

Industrielle BeziehungenBand 16 Nr. 2, April 2009

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Zusammenfassung


Many empirical studies on the subject of workers with and without representation within their companies are presented.

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Auszug


Weitere Empirische Einsichten Zum Thema: Betriebliche Interessenvertretung

Ingrid Artus

Betriebliches Interessenhandeln jenseits der Norm. Ein Vergleich mittelständischer Betriebe und prekärer Dienstleistungsarbeit in Deutschland und Frankreich

Die Studie vergleicht die arbeitspolitische Regulierung in deutschen und französischen Betrieben jenseits der Norm, d.h. ohne die vom Gesetzgeber vorgesehenen Institutionen betrieblicher Interessenvertretung. In Deutschland sind dies Betriebe ohne Betriebsrat; in Frankreich handelt es sich um Unternehmen, in denen die gesetzlich vorgesehenen Repräsentationsgremien der Belegschaft (Comité d'entreprise. Délégués du personnel) nicht gewerkschaftlich angebunden sind, d.h. wo keine Délégués Syndicaux existieren. In Deutschland wie in Frankreich sind gleichermaßen solche ,irregulären' Vertretungssituationen in peripheren Mittelbetrieben! (d.h. mittelgroße Unternehmen in der ländlichen Peripherie) sowie Unternehmen des prekären Dienstleistungssektors verbreitet. Hintergrund dieses Fors chungs designs ist nicht nur der Mangel an einschlägigen Forschungen, sondern auch die These, wonach solche betrieblichen Kontexte im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels an Bedeutung gewinnen. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich in ihnen zentrale Zukunftsprobleme industrieller Beziehungen in Europa andeuten.

Das theoretische Konzept der Studie ist ein interessentheoretischer Ansatz, der ergänzt ist um einen expliziten Fokus auf Prozesse normativer Gruppenbildung, des Repräsentations- und Anerkennungshandelns sowie um eine institutionentheoretische Perspektive. Der Ländervergleich zielt in erster Linie darauf, den Einfluss der länderspezifisch unterschiedlichen gesetzlichen Normen und die Praktiken ihrer Anwendung auf die arbeitspolitische Regulierung in Segmenten ,jenseits der Norm' zu untersuchen.

Ein ausführlicher Blick in die Geschichte betrieblicher Interessenvertretung in Deutschland und Frankreich ermöglicht zunächst ein Verständnis der historisch etablierten Vertretungspraktiken. Eine vergleichende Analyse quantitativer Daten zum aktuellen Verbreitungsgrad betrieblicher Interessenvertretung in Deutschland und Frankreich sowie 76 qualitative Interviews in insgesamt 29 deutschen und französischen Betrieben bilden die zentrale empirische Grundlage der Studie.

Insgesamt verdeutlicht der deutsch-französische Vergleich, dass länderspezifisch einheitliche Institutionen segmentspezifisch eine unterschiedliche Relevanz besitzen. Die Analyse im Bereich peripherer Mittelbetriebe belegt, dass nicht jede Institution betrieblicher Interessenvertretung allein durch ihre formale Präsenz einen Unterschied macht. Die flächendeckende Existenz von Vertretungsinstitutionen in französischen Unternehmen macht in der Praxis kaum einen Unterschied, da diese oft nur eine geringe Durchsetzungsmacht besitzen. Für den prekären Dienstleistungsbereich gilt, dass in Deutschland wie in Frankreich kaum eine dauerhafte sowie wirksame Partizipation der Belegschaft bei der Normierung der Arbeitsbedingungen existiert. Dennoch machen die länderspezifischen gesetzlichen Regelungen zum Thema betriebliche Interessenvertretung hier einen Unterschied. Das französische Institutionenmodell besitzt einige systematische Vorteile für die Beschäftigten, vor allem in der Form g...

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