Vertrauen Zwischen Fremden*: Zum Aufbau Einer Joint-Venture-Culture in Interkulturellen Verhandlungen

Auszug


Vertrauen Zwischen Fremden*: Zum Aufbau Einer Joint-Venture-Culture in Interkulturellen Verhandlungen

1. Einleitung

Verhandlungen zum Zweck des Abschlusses eines geschäftlichen Vertrags sind in der Wirtschaftswelt etwas Alltägliches. Trotz ihrer Alltäglichkeit unterliegen sie jedoch vielerlei Besonderheiten, welche das Gelingen oder das Scheitern einer Verhandlung beeinflussen. Eine dieser Besonderheiten ist die wechselseitige Kenntnis, welche die Verhandlungspartner von- und übereinander haben. Bei guter Kenntnis sind schnelle Vertragsabschlüsse die Regel. Wechselseitige Unkenntnis jedoch kann Verhandlungen langwierig machen und einen positiven Abschluss sogar verhindern, weil Miss Verständnis se nicht aufgeklärt, Vorurteile nicht aufgelöst und Ressentiments nicht ausgeräumt werden können.

Die größte wechselseitige Unkenntnis liegt dann vor, wenn die Verhandlungspartner aus unterschiedlichen Kulturen kommen. Fremdheit ist eine stete Quelle für wechselseitiges Misstrauen. Dieses wiederum verzögert schnelle Verhandlungsergebnisse und gefährdet grundsätzlich einen positiven Verhandlungsabschluss. Den gegenteiligen Effekt hat naturgemäß das Konstrukt ,Vertrauen'. Ob und wie sich ,Vertrauen' zwischen kulturell fremden Personen schaffen und verstärken lässt, behandelt dieser Artikel.

Ziel dieses Artikels ist es, Problem f eider zu beleuchten, welche in Geschäftsbeziehungen zwischen einander kulturell fremden Personen eine Rolle spielen können. Im ausdrücklichen Unterschied zu Artikeln vergleichbarer Thematik stehen dabei jedoch nicht Fragen der Schulung oder des Coaching von Managern im Mittelpunkt, die auf inter kulturelle Begegnungen vorbereitet werden sollen. Vielmehr soll gezeigt werden, dass Begegnungen zwischen einander kulturell Fremden zur Ausbildung von ,Zwischenkultur en' oder J oint- Venture-Cultures führen können, die etwas Eigenständiges repräsentieren und sowohl das Ziel als auch eine Quelle wechselseitigen Vertrauens sein können. Daraus werden weitere kulturtheoretische Konsequenzen abgeleitet.

2. Internationale Arbeitsgruppen im Rahmen von Joint Ventures'

Nicht nur für Großkonzerne, sondern in zunehmendem Maße auch für klein- und mittelständische Unternehmen, sind internationale Kontakte, Austauschbeziehungen und Verhandlungen bedeutsam und beinahe unvermeidlich. Ziel dieser Aktivitäten sind in aller Regel ,Gemeinschaftsunternehmungen' (Joint ventures), die im Sinne der Mutterunternehmen längerfristige Kooperationen anstreben, welche wechselseitig von Nutzen sind. Funktionierende Joint Ventures bieten einzigartige Möglichkeiten, unterschiedliche Kompetenzen und sich ergänzende Ressourcen von Unternehmen zusammenzuführen, zu bündeln und damit zu optimieren. Joint Ventures haben normalerweise verschiedene positive Effekte: Kosten u...

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