Unternehmensethische Untersuchungen Aus Gesellschaftlicher Perspektive*: Von Der Gesellschaftsorientierten Unternehmenslehre Zur Unternehmensorientierten Gesellschaftslehre

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 5 Nr. 3, September 2004

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Zusammenfassung


In this paper we suggest to move forward from the firm-centered perspective of stakeholder management toward societal perspectives that highlight network-kind relations between different (types of) organizations. Here, insights from neo-institutional approaches in Sociology help to develop a theoretical perspective that stresses the relevance of institutional mechanisms and institutional entrepreneurs within organizational fields. This cultural and institutional perspective enables 1. to determine strategic actions for businesses as institutional entrepreneurs, 2. to stress normative claims on businesses and other organizations, and 3. to consider private global regimes in the analysis of issues related to business ethics.

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Auszug


Unternehmensethische Untersuchungen Aus Gesellschaftlicher Perspektive*: Von Der Gesellschaftsorientierten Unternehmenslehre Zur Unternehmensorientierten Gesellschaftslehre

1. Einleitung

Während im traditionellen Stakeholder-Ansatz die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Anspruchsgruppen implizit als Vertragsbeziehungen konzeptualisiert und - daraus resultierend - Gestaltungsvorschläge zur Reduzierung ,,negativer Aufmerksamkeiten" (Nell-Breuning) erarbeitet werden, wird im Rahmen dieses Beitrags ein Perspektivwechsel vorgeschlagen, mit dem die Beziehungen zwischen Organisationen innerhalb von ,,organisationalen Feldern" beleuchtet werden. Es wird deutlich werden, dass der Stakeholder-Ansatz auf einer (impliziten) normadven Grundsatzentscheidung basiert: Er stellt durch eine unternehmenszentrierte Sicht die Interessen von Unternehmen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Gesellschaftliche Zusammenhänge werden aus Sicht des Unternehmens erfasst (Kapitel 2). Wir schlagen in diesem Beitrag eine Veränderung der Betrachtungsweise vor, indem unter Verwendung des soziologischen Neo-Insdtutionalismus eine Analyse gesellschaftlicher Problemkomplexe unternommen wird. Von besonderer Bedeutung ist dabei zum einen die Heuristik des organisad'onalen Felds, mit dem netzwerkartige, interorganisationale Beziehungen zwischen Unternehmen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren beschrieben werden können. Zum anderen stellt der soziologische Neo-Institutionalismus einen Erklärungsansatz bereit, mit dessen Hilfe Institutionalisierungsprozesse und die Bedeutung von institutionellen Entrepreneurs in organisationalen Feldern näher untersucht werden können (Kapitel 3). Durch diese veränderte Betrachtungsweise von einer gesellschaftsorientierten Unternehmenslehre (Stakeholder-Ansatz) zu einer unternehmensorientierten Gesellschaftslehre wird es sowohl möglich, strategische Handlungsoptionen aus einzelwirtschaftlicher Sicht als auch normative Anforderungen an eine verantwordiche Unternehmenspolitik zu formulieren, aus denen Hinweise für konkrete Maßnahmen eines ordnungspolitischen Engagements resultieren (Kapitel 4). Ich fasse die Ergebnisse der Untersuchung in Kapitel 5 noch einmal zusammen.

2. Von der gesellschaftsorientierten Unternehmenslehre ...

Unternehmen sehen sich von zahlreichen gesellschaftlichen Gruppen mit Erwartungen und Ansprüchen konfrontiert. Über wirtschafdiches und legales Agieren hinaus wird von diesen Gruppen zunehmend ein ethisch legitimierbares Unternehmensverhalten gefordert. Diese Grundidee wurde maßgeblich von Freeman (1984) in seinem Stakeholder-Ansatz formuliert. Sie hat in den zurückliegenden 20 Jahren einen erheblichen Einfluss auf die Management-Praxis und -Theorie ausgeübt. Der Grundgedanke des Anspruchsgruppenmodels ist einfach: Es wird vorgeschlagen nicht nur die Ansprüche der Ante...

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