Normative Grundlagen Der Sozialpolitik*: Solidarismus, Historische Schule Und Die Politische Ökonomie Des Wohlfahrtsstaates/Normative Foundations of Social Policy: Solidarism, Historical School and the Political Economy of the Welfare State

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 7 Nr. 2, Mai 2006

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Zusammenfassung


Recognising the interdenominational conflicts that have shaped the historical formation of the German welfare state, this paper examines the specific contributions of Catholic social thought, as outlined in the solidaristic approach of Heinrich Pesch SJ. The programmatic framework of Pesch's solidarism is explored in the context of the contemporary discourse on social policy that was promoted by the Historical School, in particular by Adolph Wagner, Gustav Schmoller and Werner Sombart. The leitmotif of that conceptual reconstruction is provided by the normative foundations of social policy in terms of an institutional regulation of socio-economic change. The ensuing comparative assessment is meant to contribute to an understanding of the intellectual history of the German welfare state.

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Auszug


Normative Grundlagen Der Sozialpolitik*: Solidarismus, Historische Schule Und Die Politische Ökonomie Des Wohlfahrtsstaates/Normative Foundations of Social Policy: Solidarism, Historical School and the Political Economy of the Welfare State

1. Einleitung

Die Entwicklung der europäischen Wohlfahrtsstaaten lässt sich als institutioneller Ausdruck konfliktreicher politisch ökonomischer Entwicklungsprozesse mterpretieren, deren norrnativer Gehalt auf die soziale Einbettung ökonomischer Marktdynamik zielt - insbesondere irn Hinblick auf die Beschränkung der Warenförmigkeit des Faktors Arbeit. Esping-Andersens einflussreicher Terminologie folgend existiert, neben liberal en marktorientierten Ansätzen und sozialdemokratischen universalistischen Modellen der Wohlfahrtsstaatlichkeit, eine konservative Vanante, die mit ihrem korporatistischen Organisationsverständnis sozialer Sicherung auf die Bereitstellung von status- und einkommensorientierten Leistungen abzielt (vgl. Esping-Andersen 1990: 26-28). Fragt man allerdings nach den intellektuellen Wurzeln und diskursiven Artikulationsformen dieser Entwicklungsprozesse, so wird vor allem mit Bezug zum konservativen Modell der Wohlfahrtsstaatlichkeit auf das sozialreformensche Milieu der Histonschen Schule verwiesen, das die institutionelle Ausprägung des deutschen Wohlfahrtsstaates in Abgrenzung zu marktliberalen und sozialdemokratischen Alternativen nacnhaltig geprägt hat (vgl. Esping-Andersen 1990: 10f.).

Vor dem Hintergrund interkonfessioneller Konflikte in der Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates ist allerdings danach zu fragen, inwiefern neben der Historischen Schule als primarem Artikulationsforum preußisch-protestantischer Diskurse auch andere konfessionell verankerte Argumentationslinien zu berücksichtigen sind zum einen als Ausgangspunkt einer Rekonstruktion theoretisch fundierter sozialpolitischer Dialoge, zum anderen im Hinblick auf die spätere bundesdeutsche Formierung der sozialen Marktwirtschaft als Typus eines wohlfahrtsstaatlichen Arrangements. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die im Kontext der katholischen Soziallehre angesiedelten Beiträge des Solidarismus, deren Gehalte im zeitgenössischen Kontext des sozialpolitischen Diskurses der Historischen Schule auszuwerten sind, um sie als Beitrag zur diskursiven Formierung des deutschen Wohlfahrtsstaates verfugbar zu machen. Leitmotiv dieser Rekonstruktion ist die Frage nach der ethisch fundierten sozialpolitischen Steuerbarkeit ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Diese Perspektive verweist zugleich auf die Zugehörigkeit von Solidarismus und Historischer Schule zu den weiter gefassten Diskursen des Institutionalismus - was ihre Relevanz für aktuelle sozialpolitische Debatten unterstreicht.

Die nachstehenden Darlegungen sind folgendermaßen gegliedert. Zunächst werden die sozialethischen und sozialpolitischen Schwerpunkte in Heinrich Peschs Forschungsprogramm des Solidarismus vorgestellt. Es folgt eine Gegenüberstellung mit den ethisch-politischen Gehalten des Forschungsprogramms der Histonschen Schule, wie es von Gustav Schmoller und Adolph Wagner aus deren jeweils spezifischer methodologischer Perspektive heraus vertreten wird, um dann in Werner Sombarts kapitalismustheoretischen Beiträgen grundsätzlich reformuliert zu werden. Auf dieser Exposition von Solidarismus und Historischer Schule aufbauend werden anschließend themenspezifische Gemeinsamkeiten und Differenzen beider Perspektiven analysiert. Neben den programmatisc...

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