Von Hobbes Zum Franchising* Eine Wirtschaftsethische Analyse Des Franchisings

Auszug


Von Hobbes Zum Franchising* Eine Wirtschaftsethische Analyse Des Franchisings

Der Mechanismus des Franchisings wird in der betriebswirtschaftlichen Literatur ausführlich analysiert - wirtschaftsethische Betrachtungen liegen hierzu jedoch bisher nicht vor. Dieses Defizit wollen wir mit dem vorliegenden Artikel beheben. Gleichzeitig wollen wir versuchen, eine neue Erklärung für den Erfolg des Franchisings zu liefern.

Grundlage sowohl der wirtschaftsethischen Analyse als auch der Erklärung wird das Konzept der Dilemmastrukturen sein. Wir werden zunächst dieses Konzept unter Rückgriff auf Thomas Hobbes vorstellen (Abschnitt 1), bevor wir das Phänomen Franchising beleuchten (Abschnitt 2). Es schließt sich die normative Analyse an (Abschnitt 3), deren Ergebnisse in Abschnitt 4 zusammengefasst werden. Dabei werden sowohl deskriptive Erklärungsaspekte als auch normative Bewertungsaspekte vorgestellt.

1. Thomas Hobbes und Dilemmastrukturen

Was hat Thomas Hobbes mit Franchising zu tun? Auf den ersten Blick natürlich gar nichts. Aber wenn man sich näher mit der Problemstruktur befasst, die Hobbes in seinem Leviathan besonders stringent herausmodelliert hat, wird man feststellen, dass Hobbes einen Mechanismus beleuchtet, der letztlich auch für die erfolgreiche Evolution des Franchising verantwortlich ist.

1.1 Thomas Hobbes: Das Koopefationsdüemma

Analog zu Descartes' fundamentaler Einsicht der Erkenntnistheorie (,cogito, ergo sum*), wollte Hobbes ein - seiner Ansicht nach - ebenso sicheres Fundament in der politischen Philosophie schaffen. Dieses philosophische Argument sollte die Voraussetzung für eine stabile Ordnung und einen dauerhaften Frieden schaffen. Insbesondere die Notwendigkeit eines leistungsstarken Souveräns, in dem er das einzige wirksame Gegenmittel gegen das große Übel des (Bürger-) Krieges sah, wollte Hobbes plausibel untermauern.

Hobbes benutzte die deduktive Analyse-Methode, in dem er die Gesellschaft gedanklich auflöste und ihre einzelnen Elemente betrachtete. Durch die Berücksichtigung beobachtbarer Neigungen und angeborener Triebe im anarchischen Zustand erhielt Hobbes ein Argument für die Notwendigkeit einer Gesellschaft und eines absoluten Souveräns.

1.1.1 Der Naturzustand

Der Naturzustand den Hobbes skizziert, ist gekennzeichnet durch das ius naturalis (Naturrecht: Jeder hat das Recht auf alles) in einem rechts- und staatsfreien Zustand, verbunden mit dem lex naturalis (Naturgesetz: Es ist alles zu unterlassen, was die Selbsterhaltung gefährden könnte).

Als Konfliktursachen sieht Hobbes das ständige Mehrwollen (pleonexia), die Gleichheit der Individuen, die Konkurrenzsituation um knappe Güter sowie die Ruhmsucht. Das elementum primum stellt die Selbsterhaltung dar. Daran schließt sich - als elementum secundum - das Streben nach einem angenehmen Leben an.

Die Unabschließbarkeit der Bedürfnisse v...

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