Vom 'Klassischen Irrtum' Der Neoklassik*: Kritische Anmerkungen Zur Klassikeradaption Im Modernen Ökonomieverständnis/the 'Classical Misunderstanding' of Neoclassical Theory

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 7 Nr. 2, Mai 2006

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Zusammenfassung


In the early economic writings economics is seen as an efficient tool to commit moral values. Nevertheless the modern interpretation of classical economists uses their ideas to line up a moral-free economic theory. In this way the modern interpretation of classical economic theory is based at least on three fundamental misunderstandings: first a historical misunderstanding, i.e. the belief, that classical economic theory is a result of a development from moral science to economic science, second a theoretical misunderstanding, i.e. the assumption, that classical economic theory is designed as a model for social structures in whole society, and third a conceptual misunderstanding, i.e. the opinion, that classical theory has sketched a normative ideal that should guide political rules. It can be shown, that none of these interpretations is actually based on classical theory.

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Auszug


Vom 'Klassischen Irrtum' Der Neoklassik*: Kritische Anmerkungen Zur Klassikeradaption Im Modernen Ökonomieverständnis/the 'Classical Misunderstanding' of Neoclassical Theory

1. Einleitung

Neoklassische Ansätze der Wirtschaftstheorie stützen sich vor allern auf die Annahme, dass sich selbst überlassene Märkte pnnzipiell dazu tendieren, ein Marktgleichgewicht herbeizuführen. Verteilungsproblerne ließen sich damit grundsätzlich auch ohne Eingreifen staatlicher Regulierungsinstanzen lösen. Der Marktrnechanisrnus selbst sei in der Lage, eine effiziente Güter- und Faktorallokation herbeizuführen (u.a. Rothschild 1992: 32ff.; Neumann 2002: 272f.). Selbst wenn dies im Emzelfall zu Ergebnissen führen soil te, die sozialpolitisch bedenklich erscheinen, müsse dies toleriert werden, da der Allokationsmechamsinus der Märkte generell zu besseren Ergebnissen fuhre, als dies durch das Eingreifen staatlicher Instanzen erreicht werden könnte (vgl. Hayek 1994a: llff.).

Konsequent fordert die Neoklassik daher die Deregulierung von Märkten, den Abbau von Marktzugangsbeschränkungen, die Aufhebung kartell- und arbeitsrechtsrechtiicher Bestimmungen und eine möglichst zurückhaltende staatliche Wirtschafts politik.

Generell stützt sich die Neoklassik dabei zurn einen auf die Annahme, dass der Marktrnechanisrnus - als Errungenschaft einer sozialen Evolution (u.a. Hayek 1994b: 35; Hayek 1976b 117f.) - per se nicht hinterfragt zu werden braucht, da er den best möglichen Mechanismus der Güterverteilung darstellt. Zum anderen gilt es im Sinne der Neoklassik als evident, dass der Einzelne stets selbst am besten über seine Bedürfnisse und die ihni zur Verfügung stehenden Fähigkeiten zu deren Realisierung informiert sei. Entsprechend formuliert die neoklassische Theone eine subjektive Nutzentheorie, die davon ausgeht, dass jedwedes individuell erstrebte Ziel per se auch als individuell nützlich erachtet wird (vgl. Stadermann 1987: 169f.). Eine vorläufige Apotheose erreicht dieses Denken nut Gary S. Beckers Versuch, jedwedes menschliche Verhalten entsprechend dieses subjektiven Nutzenkalkuls erklaren zu wollen (vgl. Becker 1993; Becker/Becker 1998).

In mindestens drei zentralen Aussagen scheint sich die neoklassische Theorie dabei auf die theoretischen Erkenntnisse der ökonomischen Klassik zu berufen. So etwa basiert das

(1) Primat marktlicher Verteilungslogik auf der Annahme einer dem Marktmechanismus selbst innewohnenden Ordnungsfunktion, die - von Adam Smith als invisible hand bezeichnet - das egoistische Verhalt...

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