Politische Ökonomie, Wirtschaftsethisch Rekonfiguriert: Funktionale Systemökonomie Im Kontext Praktischer Sozialökonomie/Political Economy Ethically Reconfigured: Functional Systems Economy in the Context of Practical Social Economy

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 7 Nr. 2, Mai 2006

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Zusammenfassung


Political Economy has lost its classic self-awareness of being an ethical an a political discipline. Rather it works as a methodical reduction of politics to "pure" economics today. But this reduction itself is normatively based, of course. It is the task of Economic Ethics to elucidate the "implicit ethics" of the economic approach and to advance a reflected treatment of the factual tensions between "free" market economy and the principles of a well-ordered society of free citizens. The author goes back to Adam Smith and John Stuart Mill, taking up their conceptual and methodological ideas of an ethically (re-) integrated market economy, and proposes a dual approach of a timely Political Economy that "embeds" functional Systems Economy into a critically normative Social Economy.

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Auszug


Politische Ökonomie, Wirtschaftsethisch Rekonfiguriert: Funktionale Systemökonomie Im Kontext Praktischer Sozialökonomie/Political Economy Ethically Reconfigured: Functional Systems Economy in the Context of Practical Social Economy

1. Politische oder unpolitische Ökonomie?

Am Anfang und während der längsten Zeit ökonomischen Denkens gait die anstotelische Trias: Ökonomie wurde als Teil der Politik und die so verstandene Politische Ökonomie wiederum als Teil der Ethik begriffen. Normativität war dieser Dis2iplin gleichsam ins Stammbuch geschneben, und das entspncht durchaus ihrem Gegenstand ,Wirtschaften' als einer elementaren Dimension humaner Praxis. Nicht zufàllig waren so gewichtige Klassiker der Politischen Ökonomie wie Adam Smith und John Stuart Mill ,,von Hause aus" Moralphilosophen. Erst die Neoklassiker wollten ab etwa 1870 ihr Fach von alien ethisch-normativen und politischen Beimischungen ,,purifizieren", also eine wreine" und wautonome" Ökonomik betreiben.1 Das impliziert ein Zwei-Welten-Modell von (ökonomisch als ,,sachfremd" wahrgenommener) Ethik und Politik einerseits und (als wertfrei sowie unpolitisch aufgefasster) Ökonomik andererseits. Nicht grundlos nennt sich die Disziplin, die bei den vorwiegend angelsächsischen Klassikern ganz zutreffend Political'Economy hieß, längst nicht mehr so. Wer mit Bezug auf die heutige Wirtschaftstheorie gleichwohl von Politischer Ökonomie spricht, lädt sich die Beweislast auf, gegen das Selbstverständnis der Mainstream Economics nachzuweisen, inwiefern (ethisch zu begründende) Politik und (ökonomisch effizient zu gestaltende) Wirtschaft akademisch eine untrennbare WeIt darstellen und worin auch heutzutage unausweichlich das Politische an (Politischer) Ökonomie besteht.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein In-Beziehung-Setzen von Wirtschaftsethik und Politischer Ökonomie gegenstandslos wäre, würde es sich tatsächlich uni ein restlos hinreichendes akademisches Nebeneinander zweier heute getrennter Disziplinen handeln, die sich unmittelbar nichts mehr zu sagen haben. Dann bestünde ein unproblematisches Ergänzungsverhältnis. Davon kann jedoch, dies ist die Ausgangsthese des vorliegenden Beitrags, keine Rede sein. Spätestens immer dann, wenn aus ökonomischen "Sachzusammenhängen" praktische wirtschafts- oder gesellschaftspolitische Konsequenzen abgeleitet werden, ist die Alternative nicht die zwischen politisc...

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