Der Arbeitnehmer Im Diskurs Der Mitarbeiterkapitalbeteiligung - Eine Semantische Sekundäranalyse**

Industrielle BeziehungenBand 16 Nr. 4, Oktober 2009

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Auszug


Der Arbeitnehmer Im Diskurs Der Mitarbeiterkapitalbeteiligung - Eine Semantische Sekundäranalyse**

1. Der Mitarbeiter - das *unbekannte Wesen'?

Obwohl der Ausdruck 'Mitarbeiter' unersetzlicher Bestandteil der Bezeichnung Mitarbeiterkapitalbeteiligung ist, scheint sich die Literatur wenig für die Perspektive der Mitarbeiter zu interessieren. Die wenigen Ausnahmen (Hofmann et al. 1993; Hardes/Wickert 2004; Kruse et al. 2008) beschränken sich auf quantitative Betriebsfallstuthen. In Abwesenheit gesicherter empirischer Erkenntnisse über Ziele, Haltungen oder Interessen, die Mitarbeiter mit Kapitalbeteiligungen verbinden, werden nicht nur aus Unternehmer-, Arbeitgeber-, oder Gesetzgeber-Sicht, sondern auch aus der Perspektive der Gewerkschaften mehr oder weniger normative Modelle über den 'Mitarbeiter' konstruiert. Diese Akteursmodelle können sich (müssen aber nicht) bei wissenschaftlichen Modellen und Akteurskonstruktionen bethenen, um den auf die 'Mitarbeiter' projizierten Mutmaßungen Legitimation zu verleihen und in der öffentlichen Diskussion mit Zustimmung rechnen zu können.

Ziel dieses Beitrages ist es nicht, der Diskussion durch theoretische Reflexion eine weitere Modellkonstruktion vermuteter Mitarbeiteransichten und -einstellungen gegenüber MKB hinzuzufügen. Vielmehr sollen auf der Grundlage einer explorativen semantischen Sekundäranalyse der vorliegenden Literatur sechs zentrale Erzähl- und Diskursstränge der MKB-Diskussion pointiert dargestellt und anschließend die von diesen konstruierten Akteursmodelle herausgearbeitet werden.

Unsere Ausführungen sind wie folgt strukturiert: Zunächst erfolgen einige wichtige methodische Anmerkungen, insbesondere bezüglich unseres Diskursverständnisses sowie wichtiger Begrifflichkeiten (Kap. 2). Der Hauptteil befasst sich mit den sechs Erzähl- bzw. Diskurssträngen (Kap. 3). Einerseits werden die mit MKB verfolgten Zwecke der jeweiligen Stränge, andererseits die Probleme der Zielrealisierung dargestellt, die der Diskurs selbst als problematisch ansieht. Der MKB-Diskurs wird im abschließenden vierten Kapitel im Zusammenhang diskutiert, wobei fünf, vom Diskurs selbst genutzte Akteurskonstruktionen herausgearbeitet werden.

2. Methodische Vorbemerkungen

Bei der Untersuchung der vorhandenen Literatur über MKB1 hat sich die analytische Unterscheidung von Erzähl- bzw. Leitmotiven, als ,Oberfläche' des Diskurses, und semantischen Leitdifferenzen, als kommunikative ,Tiefenstruktur', als vorteilhaft erwiesen.2

Auf der 'Oberfläche' des Diskurses zu MKB lässt sich zunächst eine Reihe von Leitmotiven identifizieren, welche eine narrative Qualität i.S. von 'Erz...

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