Zwischen Mitgliedererosion Und Ansehensverlust: Die Deutschen Gewerkschaften Im Umbruch**/Between Membership Erosion and Reputation Loss: The German Unions in Transition

Industrielle BeziehungenBand 14 Nr. 2, April 2007

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Zusammenfassung


Using data from the German General Social Survey ALLBUS the paper analyzes determinants of trade union membership in West Germany und discusses the perspectives of trade union policies. We look first on density rates and how they have changed among blue and white collar workers as well as civil servants. Secondly, we classify these groups with respect to qualifications and look for possible patterns. The findings show that the erosion of union membership concerns smaller as well as bigger firms; only large firms with more than 4,000 employees seem to be stable union domains. Logistic regression analyses show that union membership depends on firm size, occupational status and economic attitudes. We introduce an index of economic freedom which negatively influences union membership. In regard to future union policy the results suggest: First, unions should strengthen existing firm-specific union domains; and secondly, union policy should accommodate the more liberal economic attitudes of employees.

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Auszug


Zwischen Mitgliedererosion Und Ansehensverlust: Die Deutschen Gewerkschaften Im Umbruch**/Between Membership Erosion and Reputation Loss: The German Unions in Transition

1. Einleitung

Die deutschen Gewerkschaften haben einen rasanten Mitgliederschwund hinter sich. Allein die im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammengeschlossenen Organisationen haben zwischen 1991 und 2005 mehrere Millionen Mitglieder verloren. Internationale Vergleiche zeigen, dass dies kein rein deutsches Phanomen ist. Abgesehen von den "Gent-Ländern" (Belgien, Danemark, Finnland, Schweden), in denen die Gewerkschaften die Arbeitslosenkassen organisieren oder verwalten, ist in den OECD-Ländern fast überall ein Rückgang des gewerkschaftlichen Organisationsgrades zu beobachten (Ebbinghaus/Visser 1999; Lesch 2004; Visser 2006). Aus Sicht des DGB (2005) sind hierzulande mehrere Gründe verantwortlich. Zum einen schwindet die Bedeutung natürlicher gewerkschaftlicher Milieus, zum anderen verändert der Strukturwandel die Berufsbilder, weg von gewerkschaftsnahen Profilen. Ferner sieht der Dachverband die Gewerkschaften in einer Dauerdefensive, in der sie die in der Vergangenheit erzielten Erfolge verteidigen und keine attraktiven neue Kampfziele haben. Schließlich nahmen Sinn und Nutzen einer Gewerkschaftsmitgliedschaft ab.

Aus historischer Sicht sind gewerkschaftliche Strukturkrisen nichts Neues. Waren es im 19. Jahrhundert vor allem gesetzliche Beschränkungen der Koalitionsfreiheit, so wurde die gewerkschaftliche Agitation am Ende der Weimarer Republik ebenfalls durch staatliche Eingriffe in die Tarif autonomie im Wege der Zwangsschlichtung, aber auch durch die Wirtschaftskrise behindert. Die aktuelle Strukturkrise ist zwar erst seit den 1990er Jahren richtig sichtbar, reicht aber eigentlich bis weit in die 1970er Jahre zurück, weil die Gewerkschaften es versäumt haben, ihre Mitgliederstruktur an den wirtschaftlichen Strukturwandel anzupassen (Schnabel 2005: 185). Natürlich unterscheidet sich die derzeitige Krise grundlegend von vorangegangenen. Die Tarifautonomie wird heute nicht mehr in Frage gestellt, der solidarische Massenstreik hat als Instrument tarifpolitischer Konfliktbewältigung weitgehend ausgedient, neue Berufsbilder und die Tertiarisierung haben klassische Berufe und Gewerkschaftsbranchen wie die Montanindustrie in der wirtschaftlichen Bedeutung längst abgelöst. Die traditionellen Gewerkschaftsdomänen befinden sich also auf dem Rückzug. Schon wird das Unterschreiten jener "kritischen Masse" heraufbeschworen, "die erforderlich ware, damit ein selbst tragender Organisierungsprozess auch nur eine Chance hätte, wieder in Gang zu kommen" (Streeck 2001: 308).

Die Gewerkschaften haben die Strukturkrise längst erkannt und Strategien einer Revitalisierung entwickelt (DGB 2005). Behrens/Fichter/Frege (2001) identifiaeren sechs strategische Ansatzpunkte, angefangen von der Mitgliederwerbung über Fusionen bis hin zu pol...

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