Wirtschaftsethik Und Moralentwicklung*: Individuelle Und Konzeptionelle Voraussetzungen FüR Moralisches Wirtschaftliches Handeln

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 11 Nr. 3, September 2010

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Auszug


Wirtschaftsethik Und Moralentwicklung*: Individuelle Und Konzeptionelle Voraussetzungen FüR Moralisches Wirtschaftliches Handeln

1. Problemstellung

Die Meinung , dass Fragen der Wirtschaft meistens solche Probleme betreffen, die sich unter Verweis auf die oftmals zitierten ,Gesetze der Wirtschaft' in einem ,moralfreien' Raum bewegen, ist weit verbreitet. In der ,Welt der Wirtschaft' zähle lediglich das Streben nach Gewinn, und alle weiteren Überlegungen seien dem unterzuordnen (vgl. Haase 2008: 196-197). Schwierigkeiten, die in wirtschaftlichem Kontext auftreten, seien nach dem Grundsatz der Gewinnoptimierung zu handhaben, wobei Fragen nach Fairness gegenüber anderen Menschen oder der Berücksichtigung sozialer Belange außen vor blieben. Diese Vorstellung wird gerade aktuell sehr augenscheinlich belegt durch die internationale Bankenkrise, die mit der Empfehlung hoch risikoreicher Anlageformen einherging, wobei diese u. a. auf kurzfristiger Gewinnmaximierung bei gleichzeitiger Missachtung möglicher Langzeitfolgen basierten.

Aus mehreren Gründen ist diese Meinung, dass die Welt der Wirtschaft unmoralisch sei, jedoch nicht korrekt. So handelt es sich bei dem eigennützigen Streben nach Gewinn bereits um ein moralisches Prinzip, das man als "individualistic, instrumental morality" bezeichnen kann (Colby/Kohlberg 1987: 26). Es folgt dem Grundsatz des ,do, ut des' und betrachtet jegliche Problemlösung als gerechtfertigt, in der dem eigenen Vorteil ein gleicher Nutzen des Geschäftspartners gegenüber steht. Unter der Annahme des Menschenbildes der modernen MikroÖkonomie, dessen Grundlage der ,homo oeconomicus' darstellt, also ein stets den eigenen Nutzen maximierendes Individuum (vgl. Albach 2003: 37), erlaubt es dieser Grundsatz, Geschäftsbeziehungen einzugehen, die dem beiderseitigen Nutzen thenen.

Außerdem findet die Tätigkeit des Wirtschaftens nicht im ,luftleeren Raum' statt, sondern es handelt sich um ein soziales Tun, insofern als immer mehrere Menschen daran beteiligt sind (vgl. Weber 1956: l, 11). Probleme, die in diesem zwischenmenschlichen Bereich entstehen, werden als soziale Konflikte bezeichnet und sie lassen sich nicht ohne die Anwendung moralischer Prinzipien lösen. Damit sind wirtschaftliche Fragen s...

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