Industrie- Und Spartengewerkschaften Im Konflikt. Organisatorische Voraussetzungen Und Realisierte Gelegenheitsstrukturen**

Industrielle BeziehungenBand 15 Nr. 4, Oktober 2008

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Zusammenfassung


Individual professional associations have fought for independent labour agreements in recent years. The success of these groups has provoked competitive bidding with the established DGB unions. Analysis of the examples of the Vereinigung Cockpit, Marburger Bund and GDL shows that the rise of these professional unions depends on specific conditions. The three cases present historical, and organisational, features which could be activated through specific opportunity structures. This implies that other professional groups are unlikely follow the examples of the pilots, doctors, and engineers. Future industrial relations will witness the coexistence of industrial- and occupational unions in selected areas. A universal trend towards pluralism of interest representation cannot be inferred from these cases. [PUB ABSTRACT]

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Auszug


Industrie- Und Spartengewerkschaften Im Konflikt. Organisatorische Voraussetzungen Und Realisierte Gelegenheitsstrukturen**

1. Einleitung

Das deutsche Gewerkschaftsmodell basiert auf der Prämisse, dass die Arbeitnehmerinteressen eines Wirtschaftszweigs am wirkungsvollsten kollektiv von einer umfassenden Gewerkschaft repräsentiert werden. Jenseits dieses dominierenden einheits- und industriegewerkschaftlichen Vertretungsmodells existieren in der Bundesrepublik von Beginn an eine Vielzahl weiterer organisierter Arbeitnehmerverbände. Diese wirken in der überwiegenden Mehrheit als komplementäre Verbände, die entweder tarifpolitisch mit den DGB-Gewerkschaften kooperieren oder aber als Berufsverbände berufsspezifische Interessen vertreten, sich zugleich jedoch nicht aktiv und offensiv in der Tarifpolitik engagieren.

Seit einigen Jahren sind jedoch einzelne Berufsverbände zu beobachten, die sich über eine rein berufsständische Interessenvertretung hinaus auch für gewerkschaftliche Aufgaben öffnen oder sogar offensiv eine Position als ernstzunehmender Akteur im Zentrum der tarifpolitischen Verhandlungsarena einfordern. Die tarifpolitischen Verhandlungs erfolge der Vereinigung Cockpit im Jahr 2001, der Gewerkschaft der Lokführer 2008 oder der Ärztegewerkschaft Marburger Bund 2007 deuten darauf hin, dass sich die deutschen Arbeitsbeziehungen im Umbruch befinden. Einige Beobachter fürchten aufgrund dieser Entwicklungen eine Erosion der Tarifpartnerschaft in Deutschland. Sie wähnen den deutschen Arbeitsfrieden in Gefahr und prognostizieren eine dauerhafte Radikalisierung der industriellen Beziehungen im Sinne des amerikanischen oder angelsächsischen Modells, also einen Wandel vom Korporatismus zum Pluralismus.

Im Zentrum dieses Beitrages steht daher die Frage, unter welchen Bedingungen es einzelnen berufsständischen Verbänden gelungen ist, ihre vorhandenen Ressourcen und Organisationsvorteile gegenüber den umfassenden Branchengewerkschaften so zu erweitern, dass sie diese zur eigenständigen gewerkschaftlich-tarifpolitischen Profilierung einsetzen konnten. Berufsverbände galten lange Zeit als typische Standesorganisationen und nicht als aktive Vertreter der wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mtglieder (Heyde 1956: 623). Klassischerweise befassen sich derartige Organisationen nicht mit originär gewerkschaftlichen Aufgaben und betreiben keine eigenständige Tarifpolitik. Der vorliegende Beitrag wirft die Frage auf, inwieweit spezifische umweltrelevante Veränderungen im Kontext der Arbeitsbeziehungen eine Funktionsverlagerung und Bedeutungsaufwertung der Berufsverbände in der Arena der Tarifpolitik initiiert haben. Die Beantwortung dieser Frage bedarf einer auf Organisationseigenschaften und -ressourcen zielenden Herangehensweise (Olsen 1965; Offe 1974; Traxler 1999), die die arbeitsmarktbezogene Primärmacht (Jürgens 1983; Kädtier 2006) sowie mögliche Gelegenheitsstrukturen miteinander in Verbindung bringt. Abgeleitet vom Konzept der "politicai opportunity structure" (Bedingungen, Gelegenheiten und Beschränkungen der Umwelt/ strukturelle Rahmenbedingungen für das Entstehen sozialer Bewegungen; vgl. Kriesi 1991) verstehen wir unter einer Gelegenheitsstruktur diejenigen Faktoren, die einen Berufsverband dazu befähigen, die theoretisch bestehende (Entscheidungs-) Option zugunsten einer ei...

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