Reziprozitätsformen in Psychologischen Verträgen. Eine Empirische Untersuchung Am Beispiel von Auslandsentsandten**/Forms of Reciprocity in Psychological Contracts. An Empirical Study of Expatriates

Zeitschrift für PersonalforschungBand 23 Nr. 4, Oktober 2009

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Auszug


Reziprozitätsformen in Psychologischen Verträgen. Eine Empirische Untersuchung Am Beispiel von Auslandsentsandten**/Forms of Reciprocity in Psychological Contracts. An Empirical Study of Expatriates

1. Einführung

"Do ut des", ich gebe, damit du gibst, oder, allgemeiner, weil ich davon einen Nutzen habe. Diese Zweck-Mittel-Beziehung ist bekanntlich eine zentrale Annahme ökonomischer Theoriebildung, die sowohl den materiellen als auch den verhaltensbezogenen Tausch zwischen Arbeitgeber und -nehmer spezifiziert. Diese Tauschbeziehung wird zum einen durch einen Arbeitsvertrag gesteuert, der die Rechte und Pflichten der Kontraktpartner juristisch spezifiziert. Jedoch ist diese fehlende soziokulturelle Einbettung in der Betrachtungsweise sozialen Austausche (Westwood/Chan/Linstead 2004, 377) in Arbeitsbeziehungen seit den frühen Arbeiten von Barnard (1938) nicht unwidersprochen geblieben. So betont Barnard die inhärenten wechselseitigen Verpflichtungen in sozialen Austauschprozessen als grundlegend für die organisationale Mitgliedschaft. Mit Bezug auf Barnard macht die Forschung zu psychologischen Verträgen (z. B. Rousseau 1995) deutlich, dass in Arbeitsbeziehungen neben formaljuristischen Rechten und Pflichten zum anderen ein implizites Set wechselseitiger Erwartungen und Verpflichtungen zwischen Arbeitnehmer und -geber gegeben ist. Rousseau (1989, 123) definiert psychologische Verträge entsprechend als die Überzeugungen eines Individuums in Bezug auf die Bedingungen einer reziproken Austauschvereinbarung zwischen sich und einem Dritten.

Westwood, Chan und Linstead (2004, 377) kritisieren die US-amerikanische Forschung zu psychologischen Verträgen (z. B. Rousseau 1989, 1995) hinsichtlich ihrer tendenziell rein individualistischen und desozialisierten Auffassung von psychologischen Verträgen. Dieser Kritik folgend bestehen aus unserer Sicht zwei Forschungslücken:

Die erste Forschungslücke betrifft die Positionierung hinsichtlich der individualistisch-strukturalistischen Ansätze des Verhältnisses von Handlung und Struktur. Die oben angeführte dominante desozialisierte Lesart psychologischer Verträge betrifft ein Problem, das in der Soziologie (Coleman 1990) und Psychologie (Groeben 1999) als Mikro-Makro-Problem behandelt wird. Die dem methodologischen Individualismus verhaftete Perspektive von psychologischen Verträgen impliziert, dass vom Handeln einzelner Individuen (Mikroebene) ausgegangen wird, um soziale Vorgänge (Makroebene) zu beschreiben und zu erklären. Jedoch steht der soziokulturelle Kontext in der Forschung zu psychologischen Verträgen deutlich im Hintergrund. Mit Blick auf den Aufbau und die Funktionsweise von psychologischen Verträgen werden im Folgenden die reziproken Tauschformen in psychologischen Verträgen in ihrer soziokulturellen Einbettung expliziert. Unsere erste Forschungsfrage lautet daher:

a) Inwiefern erweise...

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