Renditedruck Der Finanzmärkte - Schwere Zeiten Für Die Unternehmensethik

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 11 Nr. 2, Mai 2010

Angeknüpft als:

Auszug


Renditedruck Der Finanzmärkte - Schwere Zeiten Für Die Unternehmensethik

1. Einstieg: Der umstrittene Stellenwert der Unternehmen bei der ethischen Gestaltung der Wirtschaft

Welche Rolle kommt den Unternehmen und ihren Vorständen bei der ethisch gebotenen bzw. sinnvollen Veränderung des Wirtschaftens zu? Das Spektrum der Antworten auf diese für die Wirtschafts- und Unternehmensethik zentrale Frage ist in der deutschsprachigen Literatur sehr weit. Die Antworten variieren, je nachdem wie die Autorinnen und Autoren die ethischen Verpflichtungen und die wirtschaftlichen Aufgaben des Managements verstehen und wie sie deren Verhältnis zueinander sehen. Karl Homann und seine Schüler ver orten ,die Moral' nicht nur vorrangig in den Rahmenbedingungen, sondern kennen in Bezug auf die Geschäftspolitik eigentlich nur eine Verpflichtung der Manager, nämlich die der Gewinnmaximierung (Homann/BlomeDrees 1992: 38, 51; Homann/Lütge 2005: 91). Diese Aufgabe soll freilich langfristig verstanden werden, damit Unternehmen ihren Einsatz für Regel Verbesserungen als eine Chance wahrnehmen können, das eigene Gewinnstreben so zu forcieren, das s zugleich auch die sozialen und ökologischen Anliegen umfassender verwirklicht werden (Pies et al. 2009: 1Of.; vgl. Pies 2009). Auf der anderen Seite des Spektrums läuft Peter Ulrich Gefahr, die grundlegende Aufgabe der Vorstände - dafür Sorge zu tragen, das s das Unternehmen am Markt bestehen kann - nicht systematisch zu berücksichtigen und die Manager mit moralischen Verpflichtungen zu überfordern. Unternehmen werden beinahe zu Agenturen für Weltverbesserung stilisiert, wenn Ulrich das Management bei grundlegenden Entscheidungen über die Gesamtausrichtung des Unternehmens auffordert, zuerst eine leb ens thenliche unternehmerische Wertschöpfungsidee zu suchen: "Am Anfang steht nicht ein strategisches Kalkül, sondern die lebenspraktische Frage: Wofür setzen wir uns ein?" (Ulrich 1998: 432). Und mit seiner "Leitidee deliberativer Unternehmensethik" (ebd.: 439) die Vorstände größerer Unternehmen darauf verpflichtet, ihre Geschäfts Strategien in ,ergebnis offenen' Stakeholder - Dialogen zwischen allen Betroffenen-Gruppen zur Disposition zu stellen, bindet er unternehmenspolitische Entscheidungen an langwierige Konsensbildungsprozesse. Dabei scheint er auszublenden, dass die (möglichen) Effizienz vorteile kapitalistischer Marktwirtschaften gegenüber anderen Wirtschaftssystemen gerade auf spezifische Formen der Handlungskoordination zurückgehen: Der Koordination der Handlungen primär über bzw. in Hinblick auf ihre monetären Folgen. Diese können jedoch gerade dann nicht realisiert werden, wenn die Akteure darauf verpflichtet werden, ihre wirtschaftlichen Handlungspläne konsensuell aufeinander abzustimmen.1

Eine recht überzeugende mittlere Position vertreten z. B. Horst Steinmann und seine Schüler. Einerseits negieren diese nicht die Gewinnorientierung von Unternehmen und weisen die Aufgabe, das Wirtschaften auf ethische Ziele auszurichten, allen voran den politischen Akteuren zu. Andererseits ist ihnen aber bewusst, dass die rechtliche Ordnung stets auch defizitär ist und deshalb die Vorstände darauf verpflichtet werden müssen, ihre gewinnorientierten unternehmerischen Einzelentscheidungen einer moralischen Prüfung zu unterziehen.2 Nicht nur durch die zahlreichen Steinmann - Schülerinnen und -Schüler gab es in den letzten Jahren im deutschen Sprachraum immer mehr wirtschafts- und Untern...

Siehe den Gesamtinhalt dieses Dokumentes

Geförderte Links




ver las páginas en versión mobile | web

ver las páginas en versión mobile | web

© Copyright 2012, vLex. Alle Rechte vorbehalten.

vLex-Inhalte Deutschland

vLex durchsuchen

Für Berufstätige

Für Mitglieder

Unternehmen