Was Macht Den Unterschied? Determinanten Der Nachfrage Nach Leiharbeit in Deutschland Und Den Niederlanden**
Industrielle Beziehungen › Band 12 Nr. 4, Oktober 2005
Angeknüpft als:
Industrielle Beziehungen › Band 12 Nr. 4, Oktober 2005
Angeknüpft als:Zusammenfassung
In comparison with other European countries, temporary agency work is quite wide-spread in the Netherlands. The German parliament has deregulated the legislation on temporary agency work in 2003, taking into account the Dutch experience. The aim of our paper is to investigate the reasons for differences in the use of temporary agency work between the two countries. Thus, we first compare the regulation of temporary agency work in both countries and provide an overview of its structure, development and extent in Germany and the Netherlands. We show that - contrary to the prevailing view - the share of temporary agency workers in the Netherlands has decreased since 2000. One reason is that the Dutch government has extensively regulated temporary agency work since 1998/1999. Despite these reforms, Dutch employment law concedes more flexibility to temporary work agencies than in Germany, thus reducing the cost of temporary agency workers. Consequently, in the Netherlands, more and different industries use temporary agency work than in Germany.
Siehe den Gesamtinhalt dieses Dokumentes
Auszug
Was Macht Den Unterschied? Determinanten Der Nachfrage Nach Leiharbeit in Deutschland Und Den Niederlanden**
1. Einführung
Nach Einschätzung von Experten ist das Wachstumspotenzial der Leiharbeit in Deutschland noch längst nicht ausgeschöpft. Daher hat die Bundesregierung Anfang 2003 auf Vorschlag der Kommission "Moderne Diensdeistungen am Arbeitsmarkt" das Arbeitnehmerüberlassungsrecht, das die Nachfrage nach Leiharbeit regelt, dereguliert. Diese Maßnahme sollte zum einen ein Wachstum des traditionellen Leiharbeitsmarktes bewirken und bis 2005 100-200 Tsd. neue Beschäftigungschancen schaffen. Zum anderen wurde mit den Personal-Service-Agenturen (PSA) im Jahr 2003 ein neues Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik eingeführt. Ziel der PSA ist es, vor allem Arbeitslosen eine schnelle Reintegration in das Arbeitsleben zu ermöglichen und die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit zu verkürzen. Mit diesem als "Herzstück des Abbaus der Arbeitslosigkeit" bezeichneten Instrument sollte innerhalb kürzester Zeit die Zahl der Arbeitslosen um 250-350 Tsd. sinken (Hartz et al. 2002: 274 f.).1Mit positiven Beschäftigungseffekten der Deregulierung des Arbeitnehmerüberlassungsrechts wird vor allem mit Buck auf die Erfahrungen in den Niederlanden gerechnet. Denn das niederländische "Beschäftigungswunder" wird unter anderem auch auf die Verbreitung flexibler Erwerbsformen zurückgeführt, zu denen die Leiharbeit, befristete Beschäftigung und Arbeit auf Abruf zählen (Wilkens 2004). Insbesondere gilt dort der Leiharbeitsmarkt im Vergleich zum deutschen aïs hinreichend etabliert. So gehören die Niederlande im EU-Vergleich neben Großbritannien nicht nur zu den Ländern mit der höchsten Leiharbeitsquote, sondern hat auch gleichzeitig eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten. Seit der Reform im Jahr 2003 weist das deutsche Leiharbeitsrecht einige Parallelen zum niederländischen auf. Ziel ist es im Folgenden, das niederländische und das deutsche Arbeitnehmerüberlassungsrecht, die Funktion der Leiharbeit und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung zu vergleichen und zu fragen, ob sich die höhere Nachfrage nach Leiharbeit auf die Regulierung der Leiharbeit zurückführen lassen. Ein Blick über die Grenze scheint schon deshalb lohnenswert, da das niederländische Modell häufig als Vorbild für Reformen des Arbeitsrechts in Deutschland angeführt wird (Wilthagen/Tros 2003: 18).Dass sich einzelne Elemente des niederländischen Arbeitsrechts und seine Wirkung nicht vorbehaltlos auf das deutsche übertragen lassen, liegt auf der Hand. Erstens wirken eine Reihe weiterer Faktoren auf die Nachfrage und das Angebot an Leiharbeit - zu denen unter anderen auch das Sozialrecht und die Privatisierung der Arbeitsverwaltung in den Niederlanden seit 2000 zählen (Konle-Seidl 2005). Zweitens ist der Arbeitsmarkt in den Niederlanden in weiten Teilen grundlegend anders strukturiert. Dies gilt insbesondere für den Zentralisierungsgrad der Lohnverhandlungen. Die Koordination zwischen den Sozialpartnern wird üblicherweise als stark zentralisiert beschrieben. Gleichzeitig lässt sie aber Raum für dezentralisierte Verhandlungen, weshalb Wilthagen/Tros (2003: 25) auch von "koordinierter Zentralisierung" sprechen. Wie der dritte Abschnitt ausführt, stützt sich die Ausgestaltung der Leiharbeitsverträge in den Niederlanden primär auf einen Tarifvertrag, der beinahe nationale Gültigkeit und faktisch rechtsverbindlichen Charakter hat. Ganz anders dagegen in Deutschland: Dort werden Tarifverhandlungen vorwiegend auf Branchenebene geführt, weshalb Deutschland im internationalem Vergleich häufig den Ländern mit mittlerem Zentralisierungs-/Koordinationsgrad zugeordnet wird (Wagner/Jahn 2004: 207). Seit der Reform des Leiharbeitsrechts in Deutschland im Jahr 2003 wurden ebenfalls zahlreiche Tarifverträge in der Leiharbeitsbranche abgeschlossen. Sie regeln jedoch primär Fragen der Endohnung. Trotz dieser grundlegenden Unterschiede sollen die Regulierungen der Leiharbeit zwischen den beiden Ländern verglichen werden. Untersucht wird, ob einzelne Flexibilisierungselemente Ursache für die höhere Nachfrage nach Leiharbeit in den Niederlanden sind.Eine umfangreiche Verbr...Siehe den Gesamtinhalt dieses Dokumentes
Geförderte Links
ver las páginas en versión mobile | web
ver las páginas en versión mobile | web
© Copyright 2012, vLex. Alle Rechte vorbehalten.
vLex-Inhalte Deutschland
vLex durchsuchen
Für Berufstätige
Für Mitglieder