Wie Können Corporate Citizens Voneinander Lernen?*: Ordonomische Anregungen Für Inter-Organisationales Lernen Im Global Compact Der Vereinten Nationen

Zeitschrift für Wirtschafts- und UnternehmensethikBand 10 Nr. 1, Januar 2009

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Auszug


Wie Können Corporate Citizens Voneinander Lernen?*: Ordonomische Anregungen Für Inter-Organisationales Lernen Im Global Compact Der Vereinten Nationen

1. Problemstellung

Der Global Compact der Vereinten Nationen ist eine der bedeutendsten Initiativen 2ur Verbreitung und Förderung von Corporate Citizenship weltweit. Seit seiner Gründung im Jahre 2000 haben sich über 4.000 Unternehmen aus 90 Ländern dem Global Compact angeschlossen und zu gesellschaftlich verantwortlichem unternehmerischem Handeln verpflichtet. Zu den Prinzipien des Global Compact zählen die Einhaltung der Menschenrechte, der Schutz der Umwelt, die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen und eine aktive Prävention von Korruption.

Gleichwohl ist der Global Compact zuweilen einer scharfen Kritik von Seiten der Zivilgesellschaft ausgesetzt (vgl. als Überblick Brinkmann/Pies 2004). Diese Kritik bemängelt, dass die Unternehmensinitiative nicht bindend sei. Hierauf entgegnet der Global Compact, dass er aus seinem Selbstverständnis heraus gerade kein Regulierungsinstrument sein will. Stattdessen versteht er sich als ein "Lern- und Dialogforum", das Lernprozesse zwischen den beteiligten Akteuren in Gang setzt, wie Unternehmen ein nachhaltiges gesellschaftliches Engagement in der wettbewerblich verfassten Weltwirtschaft organisieren können. Das provoziert eine Frage, auf die es bislang noch keine Antwort gibt, mit der man der Kritik überzeugend begegnen könnte. Diese Frage lautet: Was genau ist ein ,learning and dialogue forum'?

Der vorliegende Beitrag nimmt sich dieser Frage aus der ordonomischen Perspektive einer ,ökonomischen Theorie der Moral'1 an und versucht, sie in Form einiger Anregungen zu beantworten. Diese Anregungen lassen sich als Vorschläge zur Verbesserung des Lernpotentials des Global Compact interpretieren. Die Anregungen sind auf zwei Ebenen zu verorten: auf der Ebene der Generierung erfolgreicher Projekte und Aktivitäten im Rahmen des Global Compact und auf der Ebene einer Organisation des Lernens auf den Arbeits treffen lokaler Global- Compact-Netzwerke. In diesem Sinn sind die Vorschläge als konstruktiver Beitrag zur (Selbst-) Aufklärung und (Selbst-) Steuerung des Global Compact zu verstehen: Sie fördern sein (Selb st-) Verständnis als Lern- und Dialogforum für Corporate Citizenship.

Die Argumentation wird in vier Schritten entwickelt. Im ersten Schritt (Abschnitt 2) wird der UN Global Compact als Dialog- und Lernplattform vorgestellt und interpretiert. Im zweiten Schritt (Abschnitt 3) wird in Auseinandersetzung mit prominenten Theorien zu /^r-organisationalem Lernen eine ordonomische Lernperspektive skizziert, die deutlich macht, welche Schwierigkeiten einem erfolgreichen Lernen aus Beispielen im Wege stehen und wie diese Schwierigkeiten überwun...

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